Ob Gartenabfälle, Möbel oder der Jahresurlaub mit dem Wohnwagen: Ein Anhänger bietet wertvollen zusätzlichen Stauraum. Die Beliebtheit dieser praktischen Transporthelfer wächst kontinuierlich. So ist der Bestand an Kfz-Anhängern zwischen 2023 und 2026 um 378.925 Fahrzeuge (+4,57 %) gestiegen. Steuern Sie ein solches Gespann, tragen Sie jedoch eine hohe Verantwortung im Straßenverkehr. Die Fahrphysik verändert sich schlagartig: Der Bremsweg verlängert sich spürbar und das Rangieren erfordert Übung. Mit den folgenden Tipps beladen und fahren Sie Ihren Anhänger jederzeit sicher.
Welchen Führerschein benötigen Sie für die Fahrt mit einem Anhänger?
Prüfen Sie vor der ersten Fahrt mit einem Anhänger Ihren Führerschein. Mit der normalen Pkw-Klasse B dürfen Sie folgende Kombinationen steuern:
- Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse (zGM) von maximal 750 kg an jedem passenden Zugfahrzeug.
- Wenn der Anhänger schwerer als 750 kg ist, darf die zGM von Auto und Anhänger zusammen maximal 3.500 kg betragen.
Reicht Ihnen das Gewicht nicht aus? Die Führerscheinerweiterung B96 erlaubt ein Gespann mit einer Gesamtmasse von bis zu 4.250 kg. Wer noch schwerere Anhänger bis 3.500 kg zGM ziehen möchte, nutzt die Klasse BE. Das gesamte Gespann darf dann bis zu 7 Tonnen wiegen.
Starrdeichsel oder Tandem: Welches Modell passt zu Ihrem Vorhaben?
Je nach Aufbau reagiert ein Anhänger unterschiedlich auf Ihre Lenkmanöver. Welches Modell zu Ihrem Fahrzeug und Transportzweck passt, hängt vor allem von der Last ab:
- Starrdeichselanhänger (der Allrounder): Dies ist die häufigste Bauart. Die Deichsel ist starr mit dem Rahmen verbunden. Als leichte, ungebremste Variante (bis 750 kg) eignet er sich ideal für Gartenabfälle oder Einkäufe im Baumarkt. Als gebremstes Modell transportiert er problemlos Möbel oder kleine Wohnwagen.
- Tandemanhänger (für schwere Lasten): Mit seinen zwei nahe beieinanderliegenden Achsen läuft dieser Anhänger besonders spurtreu und stabil hinterher. Er ist fast immer gebremst und somit die beste Wahl für den Transport von Pferden, Baumaschinen oder schweren Frachten.
- Gelenkdeichselanhänger (für Profis): Mit einer lenkbaren Vorderachse überträgt er keine Stützlast auf das Auto. Er kommt vor allem bei Lkw oder in der Landwirtschaft zum Einsatz und erfordert beim Rückwärtsfahren viel Übung.
Gebremster oder ungebremster Anhänger?
- Ein ungebremster Anhänger (bis 750 kg) besitzt keine eigene Bremse. Das Zugfahrzeug muss die gesamte Masse alleine abbremsen. Achten Sie deshalb in den Fahrzeugpapieren strikt darauf, wie viel Gewicht Ihr Fahrzeug ungebremst ziehen darf.
- Ein gebremster Anhänger besitzt eine eigene Bremsanlage, meist eine Auflaufbremse. Bremst das Zugfahrzeug, läuft der Anhänger auf und aktiviert seine Bremse. Wichtig: Sichern Sie einen gebremsten Anhänger vor der Fahrt mit dem vorgeschriebenen Abreißseil an der Anhängerkupplung und führen Sie die vorgeschriebenen Unterlegkeile gegen Wegrollen mit.
Anhängelast im Fahrzeugschein richtig ablesen
Überladen Sie Ihr Fahrzeug niemals! Die zulässige Anhängelast, also das Gewicht, das ein Fahrzeug ziehen darf, finden Sie in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein):
- Feld O.1: Technisch zulässige Anhängelast gebremst in kg
- Feld O.2: Technisch zulässige Anhängelast ungebremst in kg
Überschreiten Sie diese Werte nicht. Ein überladenes Gespann gerät leicht ins Schlingern und gefährdet alle Verkehrsteilnehmenden.
Tipp: So ermitteln Sie das Gewicht Ihres beladenen Anhängers.
Sie sind sich unsicher, wie schwer Ihr Anhänger nach dem Beladen tatsächlich ist? Gewissheit schaffen öffentliche Waagen. Geeichte Fahrzeugwaagen finden Sie beispielsweise bei TÜV und DEKRA, Speditionen, auf örtlichen Wertstoffhöfen, Kieswerken oder im Baustoff- und Metallhandel. Erkundigen Sie sich vorab, ob eine Wägung möglich ist.
Stützlast berechnen und optimal einstellen
Eine falsche Gewichtsverteilung gefährdet die Stabilität des Fahrzeugs. Achten Sie darauf, dass Sie die Stützlast am Anhänger optimal ausnutzen. Die Stützlast beschreibt den Druck, den die Deichsel des Anhängers von oben auf die Anhängerkupplung des Autos ausübt. Sowohl der Pkw als auch der Anhänger besitzen eine maximal zulässige Stützlast.
So ermitteln Sie die passende Stützlast:
- Schauen Sie im Fahrzeugschein des Autos (Feld 13) oder auf dem Typenschild der Anhängerkupplung nach der maximalen Stützlast.
- Prüfen Sie auch die zulässige Stützlast am Anhänger (Typenschild an der Deichsel).
- Der kleinere der beiden Werte gilt als Ihre Obergrenze.
Gemäß § 44 Absatz 3 StVZO muss die Stützlast bei Starrdeichselanhängern mindestens vier Prozent des tatsächlichen Gesamtgewichts des Anhängers betragen; mehr als 25 Kilogramm sind als Mindeststützlast jedoch nicht erforderlich. Sie können die Stützlast berechnen, indem Sie eine Stützlastwaage oder eine Personenwaage mit einem Holzstab unter die Kupplung stellen. Nutzen Sie die zulässige Stützlast möglichst vollständig aus. Eine zu geringe Stützlast lässt das Heck aufschaukeln; eine zu hohe Last entlastet die Lenkachse des Zugfahrzeugs.
Sicherheitscheck nach längeren Standzeiten
Anhänger oder Wohnwagen stehen oft über Monate hinweg ungenutzt auf dem Stellplatz. Vor der ersten Fahrt sollten Sie daher die Technik gründlich prüfen.
- Reifendruck anpassen: Stellen Sie den Reifendruck am Zugfahrzeug und am Anhänger auf die Werte für volle Beladung ein.
- Reifenalter kontrollieren: Reifen altern auch im Stand. Bei Anhängern mit einer 100-km/h-Zulassung dürfen die Reifen maximal sechs Jahre alt sein.
- Beleuchtung und Bremsen testen: Funktionieren Blinker, Bremslichter und Kennzeichenbeleuchtung einwandfrei?
Ladungssicherung: Schweres nach unten und mittig!
Platzieren Sie schwere Gegenstände immer direkt über der Achse des Anhängers und möglichst weit unten. Eine gleichmäßige Gewichtsverteilung verhindert, dass der Anhänger ins Kippen gerät. Zurren Sie alle Frachtstücke mit Spanngurten, Netzen oder Antirutschmatten fest. Mehr Informationen zur Ladungssicherung finden Sie hier.
Gefahren im Straßenverkehr: Seitenwind und Ablenkung
Auf der Autobahn oder Landstraße wirken starke Kräfte auf das Gespann. Besonders windanfällige Aufbauten wie Wohnwagen oder hohe Planenanhänger bieten eine große Angriffsfläche.
- Achten Sie auf Seitenwind. Auf Talbrücken, an Windschutzwänden oder beim Überholen großer Lkw kann plötzlicher Wind Ihr Gespann zum Schlingern bringen. Reduzieren Sie bei starkem Wind vorausschauend die Geschwindigkeit.
- Bremsweg und Sicherheitsabstand: Ein Gespann benötigt einen deutlich längeren Anhalteweg. Verdoppeln Sie im Zweifel Ihren Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug.
- Vermeiden Sie jede Ablenkung: Das Fahren mit Anhänger verlangt Ihre volle Konzentration.
Anhänger rückwärtsfahren: So rangieren Sie ohne Stress
Das Rückwärtsfahren mit einem Anhänger erfordert von Fahrerinnen und Fahrern erhöhte Aufmerksamkeit. Denken Sie daran: Bei Anhängern mit einer Achse oder Tandemachse schlägt der Anhänger in die entgegengesetzte Richtung des Lenkrads aus. Lenken Sie nach links, schwenkt das Heck des Anhängers nach rechts aus.
Hier einige Tipps für das Rückwärtsfahren:
- Fahren Sie besonders langsam und führen Sie nur kleine Lenkbewegungen aus.
- Nutzen Sie beide Außenspiegel intensiv.
- Beim Rangieren und Rückwärtsfahren ist eine zweite Person zur Einweisung erforderlich, wenn der rückwärtige Bereich durch Spiegel oder Kameras nicht ausreichend überblickt werden kann.
Sicher mit dem Anhänger fahren
Mit der passenden Fahrpraxis, der richtigen Ladungssicherung und einer korrekt eingestellten Stützlast bringen Sie Ihr Gespann sicher ans Ziel. Vorausschauendes Fahren und ein vergrößerter Sicherheitsabstand schützen Sie und andere Menschen im Straßenverkehr.
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